03.03.2009

„Hugo Müller-Vogg hat keine Komödie geschrieben“

Rainer Brüderle, stellvertretender Partei- und Fraktionsvorsitzender der FDP, bei der Präsentation des Buchs „Volksrepublik Deutschland“

Zu Dr. Hugo Müller-Vogg:

Die angeborene kurpfälzische Lebensfreude, der verinnerlichte Frankfurter Bürgersinn und die gelebte Berliner Deutlichkeit zeichnen Hugo Müller-Vogg aus.

Sein historisches Wissen, sein breites Interesse, seine Menschenkenntnis und Fairneß machen Hugo Müller-Vogg zu einem Journalisten der ersten Garde.

Er macht keine Meinung, er hat eine Meinung. In einer Zeit, in der uns Opportunismus oft als Pragmatismus verkauft wird, ist solche Haltung etwas Besonderes.

Versuchen Sie nie, mit Hugo Müller-Vogg über Jahreszahlen und historische Abläufe zu diskutieren, er hat immer recht. Sein fotografisches Gedächtnis ist unglaublich. Das journalistische Postulat „Fakten, Fakten, Fakten“ hätte auch von Hugo Müller-Vogg sein können. Deshalb ist man zunächst irritiert, wenn Müller-Vogg nun auf „Fiction, Fiction, Fiction“ macht.


Zu Gregor Gysi:

Wenn man Hugo Müller-Voggs „politischer Fiktion“ glauben will, hat vor mir ja nun der zukünftige Innenminister der Bundesrepublik Deutschland gesprochen (siehe S. 137). Lieber Hugo Müller-Vogg, an dieser Stelle überzeugt mich ihre ansonsten fesselnde „Fiktion“ überhaupt nicht: Die „Rolle des Robin Hood“ spielt der Gysi ja oft ganz überzeugend, aber als „Sheriff von Nottingham“ kann ich mir den Kollegen beim besten Willen nicht vorstellen.

Der Gysi lebt von seiner spitzen Zunge und von leeren Versprechungen. In jeder Regierungsverantwortung würde der sich als Geschäftsmodell selbst überflüssig machen. Der bereut heute noch seinen Kurzausflug in den Berliner Senat.

Aber daß der Gysi den neuen Müller-Vogg vorstellt ist wirklich ein Überraschungscoup: Als nächstes eröffnet dann Oskar Lafontaine zusammen mit Gerhard Schröder die Woche der Brüderlichkeit.


Zum Buch:

- ich gratuliere dem Verleger zu diesem Autoren und dem Autor zu diesem Verleger.

- vor zwei Wochen die vielbeachtete Vorstellung der Biographie von Guido Westerwelle, nun der nächste „Coup“ durch den neuen Müller-Vogg: der Münchener Olzog-Verlag wird immer mehr zu dem Verlag der Berliner Republik.

-dieses Buch will eine „politische Fiktion“ beschreiben, es ist aber auf erschreckende Weise sehr real. Nach einem anderen Drehbuch wird die „Volksrepublik Deutschland“ in Berlin ja bereits jeden Tag gezeigt: den bürokratischen Zwangeinheitsgesundheitsfonds hätten sich Rot-Rot-Grüne nicht besser einfallen lassen können. Und die Enteignungsphantasien der Bundeskanzlerin gehen ja sogar Oskar Lafontaine zu weit. 

- „Ich hätte nie gedacht, daß die Kanzlerin einmal Oskar Lafontaine links überholt. Der wirft ihr eine „VEB-Mentalität“ vor und lehnt direkte Staatsbeteiligungen an Unternehmen ab. Wenn das so weitergeht, schicken die Castro-Brüder aus Kuba eine Freundschaftsdelegation zum nächsten CDU-Bundesparteitag.“

- Drei Jahre Schwarz-Rot haben ausgereicht: Die CDU ist jetzt für höhere Schulden, für höhere Steuern und für staatliche Enteignung. Für wenige ist es das beste Krisenmanagement Deutschlands, für die meisten der kurze Marsch in den Sozialismus.

- auch auf andere Weise ist diese politische Fiktion sehr real. Die Kaltschnäuzigkeit und Doppelbödigkeit, mit der SPD und Grüne für eine linke Machtoption kämpfen, haben wir ja schon in vielen Szenen erlebt: von der Dresdner Ausschlußerklärung einer Zusammenarbeit mit der PDS, über die Duldungen und Koalitionen in Magdeburg, Schwerin und Berlin bis zum Hamburger Ratskeller-Erklärungen von Herrn Beck und dem Crashkurs von Frau Ypsilanti in Wiesbaden konnten wir die Stationen des rot-roten Kreuzweges sehen.

- Cem Özdemir, der Mann ist Bundesvorsitzender der Grünen, äußerte sich vor wenigen Wochen im Tagesspiegel butterweich zu einer Koalition mit der Linkspartei: er könne sich das auf Bundesebene für 2009 nicht vorstellen, schließlich wolle die Linke das „vorerst“ selbst nicht. Das unausgesprochene „noch“ ist deutlich zu vernehmen.

- nicht ohne Grund warnte Joschka Fischer, das Orakel aus dem Grunewald, die Grünen kürzlich vor einem Linksruck. Das richtete sich doch vor allem gegen Jürgen Trittin, für den Rot-Rot-Grün eine Herzensangelegenheit ist.

- eines ist klar: Hugo Müller-Vogg hat hier keine Komödie geschrieben!

Aber in einem zentralen Punkt kann ich hier alle Zuhörer, außer Herrn Gysi, beruhigen: Die FDP wird bei der nächsten Bundestagswahl stärker abschneiden als die Linke. Und dazu mag dieses wichtige Buch beitragen. Denn eines wird deutlich: Herr Gysi und ich werden nie einem gemeinsamen Kabinett angehören. Sozialisten und Liberale sind Antipoden. Wer die Volksrepublik Deutschland verhindern will, muß für eine starke FDP kämpfen.


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