29.07.2010
Für Uli Wilhelm klatschten sogar die Journalisten
Voll besetzt sind die Plätze in der Bundespressekonferenz eigentlich nur, wenn Kanzler, Vizekanzler oder Kanzlerkandidaten kommen.Doch gestern kamen die Kolleginnen und Kollegen in Scharen – zur letzten Konferenz mit Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Und taten etwas, was unter Journalisten sonst verpönt ist: Sie spendeten langen und herzlichen Beifall.
Es war Wilhelms 328. Auftritt vor der Hauptstadtpresse – ein Rekord. Ohnehin liegt Wilhelm mit einer Amtszeit von vier Jahren und 9 Monaten unter den bisherigen 24 Sprechern auf Platz 4, wie der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, Werner Gößling (ZDF), vorrechnete.
Gößling machte Wilhelm zum Abschied ein großes Kompliment: An den schlechten Umfragezahlen der Koalition sei der Sprecher wirklich schuldlos.
Die Kanzlerin hatte sich von Wilhelm schon in der vergangenen Woche öffentlich verabschiedet. Gestern rief Angela Merkel ihn aus Bayreuth an, wünschte ihm viel Glück für die Abschiedsvorstellung. Die absolvierte Wilhelm wie immer: souverän und freundlich.
Ob er die Journalisten jemals angelogen habe, wollte ein Kollege wissen. Wilhelm antwortete diplomatisch: Die Formulierung, „dazu kann ich nichts sagen“, habe manchmal bedeutet, dass er nicht alles sagen dürfe. Auch sei er bisweilen an die Grenzen seiner Möglichkeiten gestoßen. Aber Journalisten bewusst hereingelegt, das hat der künftige Intendant des Bayerischen Rundfunks nicht.
Zu Wilhelms Abschiedspressekonferenz war neben vielen Chefredakteuren und Ex-Korrespondenten auch seine Frau Andrea aus München gekommen. Die freut sich, dass das Ende der Dienstzeit mit dem Beginn der Sommerferien in Bayern zusammenfällt. Denn im August wollen die Wilhelms nachholen, wofür sie bisher keine Zeit hatten – endlich Berlin ausgiebig erkunden.
(BILD)
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