03.02.2012

Warum Wulffs privater Urlaub auch politisch ist

Die vergangenen sieben Wochen waren sicher die härtesten im politischen Leben des Bundespräsidenten. Die ständig neuen Enthüllungen in der Kredit-, Mailbox- und Urlaubs-Affäre zehren sichtlich an seinen den Nerven. Christian Wulff hat abgenommen, sein Lächeln wirkt gequält, er selber bei öffentlichen Auftritten verkrampft.

Dass dem ersten Mann im Staat ein Urlaub gut tut, steht außer Zweifel. Da trifft es sich gut, dass die Berliner Schulen jetzt „Winterferien“ machen. Denn der achtjährige Leander Balthasar, der Sohn aus einer früheren Beziehung von „First Lady“ Bettina Wulff, könnte während der Schulzeit nicht wegfahren.

Urlaube von Spitzenpolitikern sind nie eine reine Privatsache. Wann und wo Christian Wulff ausspannt, ist in diesem Jahr sogar eine hochpolitische Angelegenheit. Wenn er jetzt eine Auszeit nimmt, darf das aus seiner Sicht auf keinen Fall als „Flucht aus Berlin“ ausgelegt  werden. Deshalb versichert seine Sprecherin, der jetzige Ferienaufenthalt in Thüringen sei mit Blick auf den Ferienkalender schon Mitte vergangenen Jahres geplant worden.

Politisch motiviert war die Entscheidung der Wulffs, jetzt nach Thüringen in eine gediegene Pension zu gehen. Denn im Sommer 2010, einen Monat nach seiner Wahl, hatte er sich in einer 20-Millionen-Euro-Villa auf Mallorca entspannt. Und sich sofort seine erste Affäre eingehandelt. Gehört das Anwesen doch dem befreundeten Unternehmer und Multimillionär Carsten Maschmeyer. Auch im Gefolge der Kredit-Affäre spielt die Neigung Wulffs, sich von Unternehmer-Freunden gerne zu Luxus-Urlauben einladen zu lassen, eine Rolle.

Mit dem Urlaub in Ostdeutschland stellt sich der gegenwärtige Präsident in eine Reihe mit seinen Vorgängern, die sich meistens für das „Urlaubsland Deutschland“ entschieden. Horst Köhler etwa wanderte gern ist in der Holsteinischen Schweiz oder Bayern und Johannes Rau war im Sommer Stammgast auf der Nordsee-Insel Spiekerroog, während es ihn an Weihnachten nach Bayern zog.

Christian Wulff als Urlauber im Thüringer Wald - das ist auch eine politische Demonstration. „Ich habe verstanden“, soll das heißen.

Aus: SUPERillu Nr. 6 vom 02.02.2012


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