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20.01.2012
Kommt vom Job-Boom zu wenig bei den kleinen Leuten an?
Der deutsche Arbeitsmarkt ist so etwas wie eine Insel der Seligen in Europa: die wenigsten Arbeitslosen seit 20 Jahren, mehr Beschäftigte als jemals zuvor. Ein Grund zum Feiern, nicht zum Jammern.
Dies alles ist zu einem großen Teil das Ergebnis der rot-grünen Arbeitsmarktreformen wie jahrelanger Lohnzurückhaltung. Doch mancher versucht, selbst guten Zahlen schlechte Seiten abzugewinnen.
Also wird verbreitet, die neuen Arbeitsplätze wären fast ausschließlich miserabel bezahlte Mini- oder Teilzeit-Jobs. Deutschland – ein Land der Tagelöhner und Ausgebeuteten?
Diese Zerrbilder haben mit der Wirklichkeit wenig zu tun. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer im Jahr 2011 um 670.000 gestiegen. Die Zahl der „ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten“ hingegen um 30.000 gesunken.
Noch mehr Zahlen gefällig: Der Anteil der Männer mit Vollzeit-Arbeitsplätzen ist in den vergangenen zehn Jahren um etwa 1 (!) Prozentpunkt gesunken, bei den Frauen mit Vollzeit-Stellen ist der Rückgang noch geringer. Wer da über eine „Krise des Normalarbeitsverhältnisses“ klagt, klagt an der Wirklichkeit vorbei.
Allerdings gibt es heute mehr befristete Jobs, mehr Mini-Jobs und mehr Teilzeit-Stellen als vor zehn Jahren. Aber dieser Zuwachs ging – entgegen landläufiger Propaganda – nur in geringem Umfang auf Kosten regulärer Ganztagsstellen. Diese flexiblen Arbeitsverhältnisse sind überwiegend zusätzlich entstanden. Gäbe es sie nicht, gäbe es mehr Arbeitslose. Ob die Gegner flexibler Beschäftigung das wirklich wollen?
Man kann sich eine heile Arbeitswelt erträumen, in der es nur gut bezahlte, praktisch unkündbare Vollzeitstellen gibt. Doch der Preis wäre sehr hoch; er bestünde in einer viel höheren Arbeitslosigkeit. Dies träfe vor allem die Männer und Frauen ohne qualifizierte Ausbildung. Für sie sind Teilzeit- oder Mini-Jobs oft die einzige Chance, Arbeit zu bekommen. Und von gesetzes- und sittenwidriger Ausbeutung einmal abgesehen, ist ein gering bezahlter Job immer noch besser als gar kein Job.
Übrigens: Ein Drittel der viel beklagten Mini-Jobber hat „nebenbei“ einen Hauptberuf. „Ausbeutung“ sieht anders aus.
Aus: SUPERillu vom 20.01.2012
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Kommentare
Von Alexander Palm | 21.01.2012Zerrbild der Wirklichkeit??
Zu so einer Bewertung der Zahlen im Arbeitsmarkt kann man nur kommen, wenn man sich weit von den Realitäten entfernt hat.
Wir erleben gegenwärtig wie durch die Macht der Konsumenten endlich wieder die soziale Marktwirtschaft erzwungen wird. In dem Fall Schlecker geht es um nichts anderes als um prekäre Arbeitsverhältnisse, schlechte Bezahlung und miserable Behandlung der Mitarbeiter.
Bei Schlecker liegt es doch nicht an den Produkten (die sind nach wie vor wettbewerbsfähig). Der Konsument entdeckt sein soziales Gewissen. Die nächsten Insolvenzen sind schon in Sicht z.B. Billigläden für Bekleidung (die Produkte verkaufen die durch Kinderarbeit hergestellt werden). Ich als mündiger Konsument mit Verwendungserfahrung werde nicht mehr bei Händlern oder Unternehmen etwas kaufen, die mit dem Begriff "sozial" nichts anzufangen wissen.
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