01.06.2026

Die AfD könnte die CDU spalten

In Sachsen-Anhalt hofft die AfD bei der Landtagswahl Anfang September auf den großen Durchbruch - mit Abstand stärkste Fraktion, vielleicht sogar die absolute Mehrheit der Mandate. Falls die Umfragen nicht täuschen, könnte sich in Magdeburg eine Konstellation ergeben, in der allenfalls CDU und Linke gemeinsam eine Regierungsübernahme der Rechtsaußenpartei zu verhindern in der Lage sind. Grüne und FDP werden den Einzug in den Landtag kaum schaffen. Die SPD wiederum liegt derzeit bei 6 Prozent, könnte also den Wiedereinzug in den Landtag verpassen.

Aktuell liegt die AfD in den Umfragen bei 41 bis 42 Prozent, die CDU bei 24 bis 26, die Linke bei 12 bis 13 und die SPD bei 6 bis 7. Daraus ergeben sich vier mögliche Szenarien: Absolute Mehrheit der Mandate für die AfD, eine Zusammenarbeit von AfD und CDU, eine Minderheitsregierung der AfD oder eine Anti-AfD-Koalition von CDU, Linke und SPD. Ob die CDU mit der AfD irgendwie kooperiert oder ob sie gemeinsam mit der Linken Fundamentalopposition gegen die AfD betreibt - jede dieser Möglichkeiten bringt die CDU in größte Schwierigkeiten, ja könnte sogar zu einer Spaltung führen. Denn wegen des wiederholt bekräftigten Brandmauer-Beschlusses von 2018 kann die Union ohne Gesichtsverlust weder mit der AfD noch mit der Linken gemeinsame Sache machen.

Aus parteipolitischer Sicht wäre eine absolute AfD-Mehrheit für die CDU die einfachste Lösung. Dann müsste die Höcke-Truppe zeigen, dass sie nicht nur opponieren, sondern auch regieren kann. Das wäre keine angenehme Perspektive für Sachsen-Anhalt, wenn die in Teilen rechtsextreme Partei ihre nationalistischen und völkischen Vorstellungen verwirklichen könnte. Es wäre zudem eine Herausforderung für die anderen Bundesländer, die mit einer AfD-Regierung unter anderem im Bundesrat und in den Landesministerkonferenzen zu tun hätten. Aber die Fronten wären klar.

Die umbenannte SED als Helfer gegen die Rechtsextremen?

Gefährlich könnte es für die CDU werden, wenn die AfD die Wahl mit großem Abstand gewönne, ihr aber einige wenige Mandate zur absoluten Mehrheit fehlten. Die CDU müsste dann damit rechnen, dass der Wahlsieger ihr attraktive Angebote für eine Koalition oder die Tolerierung einer AfD-Minderheitsregierung macht. Die CDU hat solche Lösungen bereits kategorisch ausgeschlossen. Doch gibt es gerade in der sachsen-anhaltinischen CDU Kräfte, die sich eine Zusammenarbeit mit der AfD durchaus vorstellen können. Da wurde schon öffentlich geraunt, man könne doch „das Nationale mit dem Sozialen verbinden“.

In der Vergangenheit war Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) stark genug, solche Überlegungen rigoros zu unterbinden. Ob sein Nachfolger Sven Schulze nach einer verlorenen Wahl die Kraft dazu hätte, ist offen. Nicht auszuschließen ist, dass die AfD sich die fehlenden Stimmen zur absoluten Mehrheit durch Überläufer aus der CDU zu besorgen versucht. Die müssten dann mit ihrem Ausschluss aus der CDU rechnen, würden jedoch sicherlich mit Regierungsämtern oder anderen Pfründen fürstlich belohnt.

Sollte es so kommen, würde das die CDU in Sachsen-Anhalt erschüttern. Auch würden sich linke Politiker und Journalisten ausführlich mit der Frage beschäftigen, ob es in der CDU nicht noch viel mehr „verkappte Nazis“ gebe, die eventuell in Mecklenburg-Vorpommern der AfD ebenfalls den Weg in die Staatskanzlei ebnen könnten. Der Bundes-CDU hingegen bliebe eine Zerreißprobe erspart. Einige Überläufer in Magdeburg ließen sich eher verkraften als ein gesamter Landesverband als Partner der AfD.

Die Möglichkeit einer AfD-Regierung in Magdeburg hat auf der linken Seite des politischen und publizistischen Spektrums den Ruf laut werden lassen, die CDU müsse endlich ihre Brandmauer-Doktrin gegenüber der Linkspartei überdenken. Die umbenannte SED soll also dabei helfen, die Rechtsextremen von der Macht fernzuhalten. Die Absicht ist klar: Die Linke soll auf diese Weise aufgewertet und in den Kreis der lupenreinen Demokraten aufgenommen werden. Auch mit dem Ziel, rot-rot-grüne Bündnisse gegen die CDU hoffähig zu machen.

Die CDU nimmt bisweilen Stimmen der Linken billigend in Kauf

Nun ist es höchst ungewiss, ob Union und Linke, eventuell zusammen mit der SPD, überhaupt stärker wären als die AfD. Die aktuellen Umfragezahlen legen dies nicht nahe. Dessen ungeachtet sind die Gräben zwischen CDU und Linker nicht weniger tief als zwischen CDU und AfD. Allerdings nimmt die Union schon heute bisweilen Stimmen der Linken billigend in Kauf, wenn diese - wie bei den CDU-Regierungen in Sachsen und Thüringen - benötigt werden. Auch ließ sich die CDU/CSU gern von der Linken helfen, nachdem Friedrich Merz im ersten Wahlgang die Kanzlermehrheit verfehlt hatte.

Allerdings steht die Linke für vieles, was die Union strikt ablehnt: Verstaatlichung, massive Eingriffe in die Wirtschaft, Strafsteuern für Erfolgreiche. Hinzu kommen klare antisemitische Tendenzen oder die Ablehnung der Nato in ihrer heutigen Form. Zudem schafft es die Linke immer noch nicht, die von ihr unter dem Namen SED beherrschte DDR als das zu bezeichnen, was sie war - ein Unrechtsstaat.

In den Medien wird die Linke gern als eine hippe Partei dargestellt, die vor allem sozialpolitisch die Ideale der SPD vor der Zeit Gerhard Schröders hochhält. Dass sie sich in ihrem Grundsatzprogramm unter anderem zu kommunistischen Traditionen und Positionen bekennt, wird gern unterschlagen. Ebenso ihr Anspruch, politische Erfahrungen „aus der DDR und der Bundesrepublik“ zu bündeln - in dieser Reihenfolge.

Es wäre geradezu ein Treppenwitz, wollte die CDU gemeinsam mit dieser dunkelroten Truppe die Demokratie vor der AfD retten. Den Rechtsextremismus Seit‘ an Seit‘ mit Linksextremisten zu bekämpfen, mag linken Leitartiklern als reizvoll erscheinen. Die CDU machte sich dagegen total unglaubwürdig - und obendrein noch lächerlich.

(Veröffentlicht auf www.cicero.de am 1. Juni 2026)


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